Blumfeld, ein älterer Junggeselle, saß im Park auf einer Bank und schaute schon eine ganze Weile zwei Männern zu, die auf steinernen Sitzen an einem dieser steinernen Tischchen saßen, in deren Tafel aus schwarzen und weißen Plättchen ein schwarzweißes Muster eingelegt war, und die dort mit mitgebrachten Figuren Schach spielten. Blumfeld schaute so beiläufig zu, dass er auf die Spielzüge nicht achtete. Ohnehin verstand er kaum etwas von Schach. Aber dann kam ihm plötzlich etwas sonderbar vor. Blumfeld stand auf, ging zu einer anderen, den Spielern etwas näheren Parkbank, setzte sich und sah: Die Spielfiguren waren gar keine Schachfiguren. Er sah ein Porzellanpüppchen, eine Streichholzschachtel, zwei verschiedene kleine Dinosaurier, eine leere hölzerne Garnspindel, eine Walnuss, einen Kerzenstummel, und das da, ja, das war ein angebissener Schokoriegel. Noch ein gutes Dutzend weiterer kleiner Dinge stand auf dem Brett. Diese merkwürdigen Figuren waren offensichtlich keinem der beiden Spieler fest zugeordnet, sondern mal bewegte der eine die Garnrolle, den Kerzenstummel oder einen der Dinosaurier, mal der andere. Auch folgte nicht ein Spielzug des einen einem Spielzug des anderen, sondern manchmal machte ein Spiel zwei, drei Züge hintereinander. Dazwischen lagen unterschiedlich lange Pausen. Was geschah, schien unvorhersehbar. Aber trotzdem machte nichts von alledem den Eindruck des Zufälligen. Es schien den beiden Spielern zudem sehr ernst zu sein mit ihrem Spiel, sie wirkten hochkonzentriert und hoben den Blick nicht vom Brett. Blumfeld schaute noch eine ganze Weile zu, verstand aber überhaupt nichts. Wenn es Regeln gab, waren sie für ihn unerkennbar. Das gefiel ihm. So ein Spiel hätte er auch gern einmal gespielt. Ob man dafür nur zu zweit sein durfte?
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