Es war einmal ein Ritter, der auszog, um einen Drachen zu erschlagen. Niemand hatte ihn damit beauftragt, und er tat es auch nicht, um sich einen Namen zu machen, sondern er hatte bloß gehört, der Drache sei ein unausstehliches Mitvieh und terrorisiere die ganze Gegend. Und dazu sind Ritter schließlich da, nicht wahr, dass sie die Menschen von Drachen befreien, die ihnen auf die eine oder andere Weise lästig sind. Man konnte nun nicht gerade sagen, der Ritter habe wahnsinnig viel Erfahrung mit dem Erschlagen von Drachen gehabt. Man hätte eher sagen können, dass es sein erstes Mal werden sollte. Der Ritter war also verständlicherweise ein wenig aufgeregt. Man hätte auch sagen können, ihm ging der Arsch auf Grundeis. Als er so in den dunklen Wald hineinritt, in dem sich die Höhle des Untiers befinden sollte, hätte man nicht sagen können, ob es seine Rüstung sei, die laut klapperte, oder seine Zähne. Jedenfalls kam der Ritter schließlich bei der Höhle an. Er nahm Aufstellung nach allen Regeln der ritterlichen Kunst, richtete die Lanze auf den Höhleneingang und rief mit belegter Stimme: „Komm heraus, du unausstehliches Mistvieh!“ Er wartete in höchster Erregung. Nichts geschah. „Komm heraus, Drache!“ Nichts. Gar nichts. Da stieg der Ritter vom Pferd, nahm allen seinen Mut zusammen, viel war es ja nicht, und ging in die Höhle hinein. Sie war leer. Der Ritter seufzte erleichtert. Er war aber auch enttäuscht. Und verwirrt. Er wusste nicht, was nun zu tun war. Der Ritter verließ die Höhle wieder, lehnte seine Lanze an einen Baum und setzte sich auf einen Felsbrocken, um in Ruhe nachzudenken. Sein Pferd, sich selbst überlassen, graste derweil in einiger Entfernung, als ginge es das alles nichts an. Tat es ja eigentlich auch nicht. Bei so einen Kampf mit einem Drachen konnte es zwar draufgehen, aber wenn der Drache erfolgreich erschlagen wurde, hatte es auch nichts davon. Der Ritter überlegte. Irgendwann würde der Drache wohl wiederkommen. Ihn in der Höhle zu erwarten, wäre dumm, da hätte der Drache, möglicher Überraschung zum Trotz, einen Vorteil. Ebenso, wenn der Ritter vor der Höhle auf ihn wartete, da sähe ihn der Drache nämlich schon aus einiger Entfernung. War es überhaupt ein fliegender oder ein kriechende Drache? Der Ritter wusste es nicht. Sich im Wald zu verbergen und darauf zu lauern, dass der Drache käme, kam dem Ritter irgendwie eines Ritters unwürdig vor. Und überhaupt, wie lange sollte er warten? Stunden? Tage? Er hatte nichts zu essen und zu trinken dabei. Was, wenn er vor Müdigkeit einschliefe? Wenn es dunkel würde? Im Finstern gegen einen Drachen zu kämpfen, ob der nun Feuer zu speien vermochte oder nicht, wäre wirklich dumm, fand der Ritter. Er war unzufrieden. Seine Angst war verflogen und einem gewissen Ärger gewichen. Das Ganze war ein blöder Einfall gewesen. Er hatte sich da auf bloßes Hörensagen hin auf irgendetwas eingelassen und sich schlecht vorbereitet. So ging das nicht. Am besten, beschloss der Ritter, er beendete die Sache jetzt. Also stieg er auf sein Pferd und ritt dorthin zurück, wo er hergekommen war. Unterwegs überlegte er, was er den Leuten erzählen solle. Aber was ging denn die Leute sein Kampf mit dem Drachen überhaupt an?
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