Es war einmal ein Ritter, der war von den Bewohnern eines fernen Landstrichs zu Hilfe gerufen worden, weil ein Drache damit gedroht hatte, die ganze Gegend zu verwüsten und alle Menschen aufzufressen, wenn ihm nicht umgehend und dann wieder an jedem Monatsersten eine Jungfrau ausgeliefert werde. Die erste Jungfrau sei schon ausgeliefert worden, nun solle doch bitte der Ritter Abhilfe schaffen und den Drachen erschlagen. Der zu Hilfe gerufene Held machte sich also auf, traf den Drachen vor seine Höhle an, neben ihm eine junge Frau. „Ha, du Ungeheuer!“, rief der Ritter. „Du willst wohl gerade die Jungfrau verspeisen. Na, dir werd ich ...“ Der Drache unterbrach: „Also da muss ich gleich mal unterbrechen. Von wegen Jungfrau! Ich wurde hereingelegt. Schau dir diese kleine Schickse doch mal an, die hat schon so manchen drübergelassen.“ Dem Ritter stieg die Schamesröte ins Gesicht. Er hörte nicht gern von solchen Dingen, dazu war er zu keusch und rein. Die Situation überforderte ihn. Wenn der Drache die Wahrheit sagte und das Mädchen gar nicht fressen wollte, gab es auch keinen Grund, ihn auf der Stelle zu erschlagen. Der Ritter war ratlos. „Und was machen wir jetzt?“, fragte er mit belegter Stimme. „Wir machen gar nichts“, antworte der Drache. „Die junge Dame hier kann sich nach Hause trollen, ich such mir eine andere Gegend, in der es vielleicht noch echte Jungfrauen gibt, und du machst, was du willst.“ Und so geschah es dann auch. Jeder ging seines Weges. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Die Hure als Hure, der Ritter als Ritter und der Drache als Drache.
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