Samstag, 3. Oktober 2026

Märchen (5)

Es war einmal eine Prinzessin, die wollte keine Prinzessin mehr sein, sondern ein Frosch, genauer gesagt: eine Fröschin. Denn sie hatte von jener anderen Prinzessin gehört, die einen Frosch mit in ihr Schlafzimmer genommen und ihn dort an die Wand geklatscht hatte, so dass er er zu einem Prinzen geworden war, den sie hatte heiraten müssen und der das halbe Königreich bekommen hatte. Etwas derartiges sollte der Prinzessin, die keine Prinzessin mehr sein wollte, nicht passieren, sie lehnte solche patriarchalen Rollenbilder ab. Statt einen ehemaligen Frosch heiraten zu müssen, wollte sie lieber selbst ein Frosch sein, genauer gesagt eine Fröschin. Und so geschah es. Das heißt, es geschah überhaupt nichts. Denn ein Frosch werden zu wollen, genauer gesagt: eine Fröschin, war leeres feministisches Geschwätz ohne irgendeinen Reatitätsbezug, und viele Jahre saß die Prinzessin einfach nur da, ging allen auf die Nerven und blieb genau die Prinzessin, die sie immer schon gewesen war. Doch dann kam eines Tages eine Hexe vorbei und verwandelte sie in einen Frosch, genauer gesagt: in eine Fröschin. Da hüpfte die Fröschin voller Freude hinaus aus dem Schloss und hinein in die supfigen Wiesen, wo ein Klapperstorch sie mit seinem Schnabel aufspießte, in die Luft warf, auffing und verschlang. Und weil sie damals starn, lebt sie heute nicht mehr.