Montag, 19. Januar 2026

Miniaturen (6)

Er wollte immer gern etwas für andere tun, kam aber irgendwie nie dazu.
 
Er benahm sich in Gesellschaft stets daneben, weil er andere zu gern darüber belehrte, was sie falsch machten und wie sie es richtig machen müssten.
 
Er sprach gern von seinem Desinteresse an sich selbst.
 
Er sah seine Stärke darin, seine Schwächen offenzulegen. 
 
Er konnte sich seine Unerbittlichkeit nicht verzeihen. 
 
Er war sich seiner Selbstzweifel gewiss. 
 
Er fand, dass ihn andere für seine Bescheidenheit loben sollten.
 
Seine Bedürfnislosigkeit war ihm ein starkes Bedürfnis. 
 
Er wollte immer alles ganz schlicht haben, aber um jeden Preis. 
 
Er setzte seine Anspruchslosigkeit rigoros durch.

Sechs Tanten (X)

Die erste kann nicht rechnen.
Die zweite kann es, will aber nicht.
Die dritte kann es und will es, kommt aber nicht dazu. 
Die vierte hat mal als Milchmädchen gearbeitet.
Die fünfte weiß gar nicht, was Rechen ist.
Die sechste zählt nicht. 

Sonntag, 18. Januar 2026

Gesprächsfetzen (2)

„Ich bin mir nicht sicher, ob wir dieselbe Sprache sprechen“, sagt einer. „Tzünglix mpféndru lolo phrazzù?“, fragt ein anderer. Und einer antwortet: „Psöreck mpféndru thräux.“

Sechs Tanten (IX)

Die erste wird die letzte sein.
Die zweite war schon mal da.
Die dritte kehrt immer wieder.
Die vierte bleibt, wo sie ist.
Die fünfte war noch nie irgendwo, wo’s schön ist.
Die sechste holt der Teufel.

Sechs Tanten (VIII)

Die erste kann nicht lesen.
Die zweite kann nicht schreiben.
Die dritte mag keine dicken Bücher.
Die vierte will keine E im Text.
Die fünfte braucht Braille-Schrift.
Die sechste morst.

Sechs Tanten (VII)

Die erste wohnt im Urwald.
Die zweite in der Wüste.
Die dritte unter dem Meer.
Die vierte auf fremden Planeten.
Die fünfte gleich um die Ecke.
Die sechste ist immer unterwegs.

Sechs Tanten (VI)

Die erste ist durchsichtig.
Die zweite ist unsichtbar.
Die dritte ist feinstofflich.
Die vierte existiert nur als Skizze.
Die fünfte als Idee.
Die sechste bleibt unbestimmt.