Blumfeld, ein älterer Junggeselle, ging so seines Weges, als ihm diesen plötzlich ein Polizist vertrat und ihn anherrschte: „Weitergehen! Hier gibt’s nichts zu sehen!“ Blumfeld erwiderte: „Aber ich will ja weitergehen. Nur sind Sie mir dabei im Wege.“ Der Polizist stutzte. Dann schrie er: „Keinen Schritt weiter! Hier findet eine Amtshandlung statt! Wagen Sie es ja nicht, sie zu behindern!“ Blumfeld versuchte etwas. „Lassen Sie mich durch“, sagte er. „Ich bin Poet.“ Aber die Amtsperson zuckte nur mit den Schultern. „Nun gut“, sagte Blumfeld, „dann eben so: Lassen Sie mich durch, ich bin Prophet. Das Ende ist nahe!“ Aber auch darauf reagierte die Amtsperson nur mit Schulterzucken. Blumfeld seufzte, holte einen Ausweis hervor und hielt ihn dem Polizisten unter die Nase. Der las, stand ruckartig stramm, salutierte und brüllte: „Zu Befehl, Herr Hofrat!“ Dann ließ er Blumfeld vorbei. Der musste sich kurz darauf im Kaffeehaus einiges von Professor Blomquist anhören. „Wie konnten Sie nur!“, regte der Professor sich auf sich auf, „Sich mit einem gefälschten Ausweis gegenüber einer Amtsperson als Amtsperson ausgeben! Die Staatsmacht imitieren, um die Staatsmacht zu manipulieren! Und Sie wollen ein Anarchist sein?“ Blumfeld erwiderte ruhig: „Aber der Ausweis ist doch nicht gefälscht. Er ist völlig echt, ich habe ihn eigenhändig ausgestellt. Wer sagt dann, dass nur eine Behörde Ausweise ausstellen darf? Und wer dürfte das sagen? Zudem sind alle Angaben darin richtig. Schauen Sie, hier gibt es die Rubrik Name, und tatsächlich steht da ein Name: Dagobert von Dobromyschl. Und hier, unter Titel, steht auch wirklich ein Titel: Hofrat. Dass das mein Name ist und mein Titel, wird ja nirgends behauptet.“ Professor Blomquist gab nicht auf: „Und das Lichtbild?“ Blumfeld lehnte sich zurück: „Was ist damit? Darf ich keine Photographie von mir herzeigen? Darf ich sie nicht auf ein Stück Karton kleben? Nie habe ich behauptet, es handle sich um das Konterfei von jemandem namens Dagobert von Dobrobromyschl.“ Der Professor wurde ruhiger, brachte aber doch noch vor: „Der Stempel mit dem Wappen, der ist allerdings gefälscht, oder?“ Blumfeld schüttelt den Kopf. „Keineswegs. Schauen Sie her: ein gerupftes Huhn mit zwei Köpfen. Darauf ein Brustschild mit dem Osterhasen. Kaum zu erkennen, aber präzise geschnitten. Wollen Sie eine Lupe?“ Professor Blomquist winkte ab. „Und doch bleibt es dabei, Sie haben absichtlich einen falschen Eindruck erweckt. Dass ist dasselbe wie eine Lüge.“ Blumfeld bedeutete dem gerade vorbeigehenden Kellner, dass er gern noch ein Kännchen Assam-Tees hätte, und sagte dann zum Professor: „Ach, wissen Sie was: Ich habe getan, was nötig war. Wenn es nicht im Guten geht … Sagen Sie mir: Wessen Amtshandlung war es denn? Doch nicht meine, sondern die der Polizei. Gebt also den Bütteln, was der Bütteln ist, und dem freien Menschen, was des freien Menschen ist.“ Damit war die Sache für ihn erledigt
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