Ein Schriftsteller, irgendein Schriftsteller, somit nicht unbedingt der Schriftsteller, der dies hier geschrieben hat, vielleicht aber doch, irgendein Schriftsteller, kein bestimmter, sozusagen ein beliebiger, aber doch immerhin einer, von dem das gesagt werden kann, was gesagt worden sein wird, irgendein Schriftsteller also saß in einem Kaffeehaus, irgendwo, an keinem bestimmten Ort, in irgendeiner Stadt freilich, in der es halbwegs gute Kaffeehäuser gibt, dort also saß in irgendeinem Kaffeehaus irgendein Schriftsteller, trank Tee, las und schrieb.
Dazusitzen, Tee zu trinken, zu lesen und zu schreiben, war nicht nur sein Beruf, sondern eine Lebensweise. Es war die Weise, wie er seinen Beruf, der ein Gutteil seines Leben ausmachte, der sozusagen sein Lebensinhalt war, auszuüben pflegte, jedenfalls den Teil, der aus Schreiben, Nachdenken, Lesen und Teetrinken bestand. Zugegebenermaßen ist zum Teetrinken, Lesen, Schreiben und erst recht zum Nachdenken ein Kaffeehaus nicht unbedingt nötig, das hätte er auch zu Hause oder anderswo erledigen können und tat es ja auch, öfter sogar, als im Kaffeehaus. Aber das Kaffeehaus war eine angenehme Zutat. Dort war er eben gerade nicht zu Hause, war nicht nicht, wie er es nannte, in seinem Gehäuse, sondern irgendwie im Fremden und Freien, also zwar drinnen, aber doch draußen, an einem wohlvertrauten Ort, sogar dann, wenn er irgendein Kaffeehaus zum ersten Mal besuchte, der freilich fremden Leuten gehörte, von fremden Leuten betrieben und besucht wurde. Man kümmerte sich dort nur so viel um ihn, als nötig war, ansonsten ließ man ihn in Ruhe, ohne dass er deshalb allein gewesen wäre, selbst wenn die anderen Gäste nicht zahlreich waren, es gab immer Bewegung, Kommen und Gehen, Sprechen und Flüstern, Rascheln und Rumpeln, Klimpern und Zischen. Das Kaffeehaus war ein Ort, wo er für sich sein konnte und doch unter Leuten war.
Das war ein guter Ort um nachzudenken, um ein mitgebrachtes Buch zu lesen und um sich Notizen zu machen. Man könnte sagen, der Schriftsteller, irgendein Schriftsteller, fand die Umgebung anregend. Unwillkürlich beobachte er dies und das, legte es aber nie darauf an, und was er schrieb, hatte fast nie das zum Gegenstand, was er im Kaffeehaus wahrnahm. Niemals las er die ausgelegten Zeitungen oder Zeitschriften, immer hatte er ein zwei Bücher dabei. Manchmal eines, das er von Zuhause mitgebracht hatte, um im Kaffeehaus etwas zu lesen zu haben, und dann ein zweites, dass er auf dem weg ins Kaffeehaus gekauft hatte, in irgendeiner Buchhandlung oder einem Antiquariat. Es konnten selbstverständlich auch drei oder mehr Bücher sein, die er mit sich führte. Davon lag dann aber immer nur eines auf dem kleinen Tisch vor ihm. Es wäre ihm lächerlich erschienen, alle Bücher vor sich aufzustapeln, angeberisch, als sei er irgendein Schriftsteller, der das Kaffeehaus in sein Gehäuse verwandle, in seine Schreibstube. Ihm lag und stand ohnehin schon fast zu viel auf dem Tisch: das Teegeschirr, das Federmäppchen, das Notizheft und eben ein Buch. Damit ließ sich arbeiten.
So gesehen hätte er auch irgendein Tourist sein können, der sich Reisenotizen machte und einen Reiseführer oder sonst irgendwelche Reiseliteratur studierte. Und tatsächlich machte sich der Schriftsteller, irgendein Schriftsteller, ein beliebiger sozusagen, auf Reisen immer in Kaffeehäusern oder deren Ersatz Notizen und las, manchmal über die Orte, die er besuchte, manchmal ganz etwas anderes. Auf Reisen wollte er keinesfalls mit irgendeinem Touristen verwechselt werden, die Kellner sollten ihn eher für irgendeinen Schriftsteller halten, sozusagen erraten, dass er einer war, trotz der wenigen Hinweise, die er ihnen gab, einen reisenden Schriftsteller, eine Kulturpilger, wie er es nannte, aber den Kellnern war es bestimmt egal, wer und was er war.
Für sich selbst war dieser Schriftsteller keineswegs irgendein Schriftsteller. Er war er selbst und schrieb, wie er schrieb. Er veröffentlichte und man konnte lesen, was er geschrieben hatte. Dann konnte man wissen, dass er nicht irgend ein Schriftsteller war, sondern genau dieser. Was aber zugegebenermaßen gerade bedeutete, einer von vielen zu sein, von sehr vielen, also eben doch irgendeiner.
Um auf das Kaffeehaus zurückzukommen, wo er saß, Teetrank, las und schrieb, dort war er, wie er fand, einigermaßen er selbst, sozusagen von außen definiert als Gast und von innen bestimmt als vom Wahrnehmen, Nachdenken, Aufschreiben. Was er m Kaffeehaus schrieb, war gleichsam nicht im Kaffeehaus, denn er zeigte es ja dort niemandem, las es niemandem vor, er allein kannte es. Zugleich war es ihm äußerlich, in einem für alle Welt ― oder zumindest für manche im Kaffeehaus ― sichtbaren Notizheft festgehalten, mit Tinte auf Papier, als ein Ding unter Dingen. Während sonst das Geistige, wie er es nannte, sozusagen grenzenlos war, unbestimmt, ihn ganz und gar umgab und durchdrang, war es hier, wo er saß, Tee trank, las und schrieb, ein fest umrissenes Geschehen, jedenfalls konnte er es sich so zu verstehen geben, er erlebte es so, um ihn herum war Fremde und Unverstandenes, er aber praktizierte mit seinem Füllfederhalter seine Gedanken aufs Papier, das er mitnehmen würde, auswerten, übertragen, überarbeiten, mit anderem verbinden, vielleicht veröffentlichen. Während zu Hause alles Schriftstellerei war oder deren Unterbrechung, Ablenkung, Störung, störte hier nichts, die Welt wollte nichts von ihm, er war mit seiner vorübergegangen Lage zufrieden, und der Schreibfluss war ungewöhnlich anhaltend und das Geschriebene oft sehr gut, auch im Rückblick.
Zum Glück traf er im Kaffeehaus fast nie auf Bekannte, mit denen er hätte reden müssen. Er wollte ja das Unbekannte in vertrauter Umgebung, die anregende Fremde, nicht fremde Anregungen und das sinnlose Leben anderer. Deren Erzählungen bedeuteten ihm nichts. Nicht hier. Er war gern bereit, zuzuhören, Anteil zu nehmen, auf Wunsch etwas zu sagen. Aber an anderem Ort, zu anderer Zeit. Hier im Kaffeehaus wollte er arbeiten.
Es war für ihn der richtige Ort. Für ihn, irgendeinen Schriftsteller, nicht unbedingt den Schriftsteller, der dies hier geschrieben hat, vielleicht aber doch, für irgendeinen Schriftsteller, keinen bestimmten, sozusagen einen beliebigen, aber doch immerhin einen, von dem das gesagt werden kann, was gesagt wurde. Für einen, der im Kaffeehaus sitzt, statt zu dschoggen, der Tee trinkt, statt einen wässrigen Gemüse- und Obstbrei, der liest, statt Bilder und Nachrichtenschnippsel zu tschecken, der nachdenkt, statt sich informieren zu lassen, der schreibt, statt zu tippen. Irgendwelche Schriftsteller machen das bestimmt, aber er nicht. Er sitzt im Kaffehaus, trinkt Tee, liest und schreibt. Oder er könnte es tun. Er täte es gern. Er wird es wieder tun.
Dazusitzen, Tee zu trinken, zu lesen und zu schreiben, war nicht nur sein Beruf, sondern eine Lebensweise. Es war die Weise, wie er seinen Beruf, der ein Gutteil seines Leben ausmachte, der sozusagen sein Lebensinhalt war, auszuüben pflegte, jedenfalls den Teil, der aus Schreiben, Nachdenken, Lesen und Teetrinken bestand. Zugegebenermaßen ist zum Teetrinken, Lesen, Schreiben und erst recht zum Nachdenken ein Kaffeehaus nicht unbedingt nötig, das hätte er auch zu Hause oder anderswo erledigen können und tat es ja auch, öfter sogar, als im Kaffeehaus. Aber das Kaffeehaus war eine angenehme Zutat. Dort war er eben gerade nicht zu Hause, war nicht nicht, wie er es nannte, in seinem Gehäuse, sondern irgendwie im Fremden und Freien, also zwar drinnen, aber doch draußen, an einem wohlvertrauten Ort, sogar dann, wenn er irgendein Kaffeehaus zum ersten Mal besuchte, der freilich fremden Leuten gehörte, von fremden Leuten betrieben und besucht wurde. Man kümmerte sich dort nur so viel um ihn, als nötig war, ansonsten ließ man ihn in Ruhe, ohne dass er deshalb allein gewesen wäre, selbst wenn die anderen Gäste nicht zahlreich waren, es gab immer Bewegung, Kommen und Gehen, Sprechen und Flüstern, Rascheln und Rumpeln, Klimpern und Zischen. Das Kaffeehaus war ein Ort, wo er für sich sein konnte und doch unter Leuten war.
Das war ein guter Ort um nachzudenken, um ein mitgebrachtes Buch zu lesen und um sich Notizen zu machen. Man könnte sagen, der Schriftsteller, irgendein Schriftsteller, fand die Umgebung anregend. Unwillkürlich beobachte er dies und das, legte es aber nie darauf an, und was er schrieb, hatte fast nie das zum Gegenstand, was er im Kaffeehaus wahrnahm. Niemals las er die ausgelegten Zeitungen oder Zeitschriften, immer hatte er ein zwei Bücher dabei. Manchmal eines, das er von Zuhause mitgebracht hatte, um im Kaffeehaus etwas zu lesen zu haben, und dann ein zweites, dass er auf dem weg ins Kaffeehaus gekauft hatte, in irgendeiner Buchhandlung oder einem Antiquariat. Es konnten selbstverständlich auch drei oder mehr Bücher sein, die er mit sich führte. Davon lag dann aber immer nur eines auf dem kleinen Tisch vor ihm. Es wäre ihm lächerlich erschienen, alle Bücher vor sich aufzustapeln, angeberisch, als sei er irgendein Schriftsteller, der das Kaffeehaus in sein Gehäuse verwandle, in seine Schreibstube. Ihm lag und stand ohnehin schon fast zu viel auf dem Tisch: das Teegeschirr, das Federmäppchen, das Notizheft und eben ein Buch. Damit ließ sich arbeiten.
So gesehen hätte er auch irgendein Tourist sein können, der sich Reisenotizen machte und einen Reiseführer oder sonst irgendwelche Reiseliteratur studierte. Und tatsächlich machte sich der Schriftsteller, irgendein Schriftsteller, ein beliebiger sozusagen, auf Reisen immer in Kaffeehäusern oder deren Ersatz Notizen und las, manchmal über die Orte, die er besuchte, manchmal ganz etwas anderes. Auf Reisen wollte er keinesfalls mit irgendeinem Touristen verwechselt werden, die Kellner sollten ihn eher für irgendeinen Schriftsteller halten, sozusagen erraten, dass er einer war, trotz der wenigen Hinweise, die er ihnen gab, einen reisenden Schriftsteller, eine Kulturpilger, wie er es nannte, aber den Kellnern war es bestimmt egal, wer und was er war.
Für sich selbst war dieser Schriftsteller keineswegs irgendein Schriftsteller. Er war er selbst und schrieb, wie er schrieb. Er veröffentlichte und man konnte lesen, was er geschrieben hatte. Dann konnte man wissen, dass er nicht irgend ein Schriftsteller war, sondern genau dieser. Was aber zugegebenermaßen gerade bedeutete, einer von vielen zu sein, von sehr vielen, also eben doch irgendeiner.
Um auf das Kaffeehaus zurückzukommen, wo er saß, Teetrank, las und schrieb, dort war er, wie er fand, einigermaßen er selbst, sozusagen von außen definiert als Gast und von innen bestimmt als vom Wahrnehmen, Nachdenken, Aufschreiben. Was er m Kaffeehaus schrieb, war gleichsam nicht im Kaffeehaus, denn er zeigte es ja dort niemandem, las es niemandem vor, er allein kannte es. Zugleich war es ihm äußerlich, in einem für alle Welt ― oder zumindest für manche im Kaffeehaus ― sichtbaren Notizheft festgehalten, mit Tinte auf Papier, als ein Ding unter Dingen. Während sonst das Geistige, wie er es nannte, sozusagen grenzenlos war, unbestimmt, ihn ganz und gar umgab und durchdrang, war es hier, wo er saß, Tee trank, las und schrieb, ein fest umrissenes Geschehen, jedenfalls konnte er es sich so zu verstehen geben, er erlebte es so, um ihn herum war Fremde und Unverstandenes, er aber praktizierte mit seinem Füllfederhalter seine Gedanken aufs Papier, das er mitnehmen würde, auswerten, übertragen, überarbeiten, mit anderem verbinden, vielleicht veröffentlichen. Während zu Hause alles Schriftstellerei war oder deren Unterbrechung, Ablenkung, Störung, störte hier nichts, die Welt wollte nichts von ihm, er war mit seiner vorübergegangen Lage zufrieden, und der Schreibfluss war ungewöhnlich anhaltend und das Geschriebene oft sehr gut, auch im Rückblick.
Zum Glück traf er im Kaffeehaus fast nie auf Bekannte, mit denen er hätte reden müssen. Er wollte ja das Unbekannte in vertrauter Umgebung, die anregende Fremde, nicht fremde Anregungen und das sinnlose Leben anderer. Deren Erzählungen bedeuteten ihm nichts. Nicht hier. Er war gern bereit, zuzuhören, Anteil zu nehmen, auf Wunsch etwas zu sagen. Aber an anderem Ort, zu anderer Zeit. Hier im Kaffeehaus wollte er arbeiten.
Es war für ihn der richtige Ort. Für ihn, irgendeinen Schriftsteller, nicht unbedingt den Schriftsteller, der dies hier geschrieben hat, vielleicht aber doch, für irgendeinen Schriftsteller, keinen bestimmten, sozusagen einen beliebigen, aber doch immerhin einen, von dem das gesagt werden kann, was gesagt wurde. Für einen, der im Kaffeehaus sitzt, statt zu dschoggen, der Tee trinkt, statt einen wässrigen Gemüse- und Obstbrei, der liest, statt Bilder und Nachrichtenschnippsel zu tschecken, der nachdenkt, statt sich informieren zu lassen, der schreibt, statt zu tippen. Irgendwelche Schriftsteller machen das bestimmt, aber er nicht. Er sitzt im Kaffehaus, trinkt Tee, liest und schreibt. Oder er könnte es tun. Er täte es gern. Er wird es wieder tun.
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